Wer von der Adria ins Landesinnere fährt, merkt schnell, wo die Herzegowina anfängt: Der Boden wird hell, steinig und karg, die Sonne steht schärfer, und zwischen den Kalkplatten wächst nur, was Wurzeln schlagen kann. Genau hier, in Trebinje am Fluss Trebišnjica, arbeitet seit 1982 die Familienkellerei Vukoje. Sie begann als Gastbetrieb mit eigenem Wein – erst Mitte der neunziger Jahre kamen die ersten Flaschen mit eigenem Etikett in den Handel.
Karst ist kein Nachteil
Für Reben ist dieser Boden besser, als er aussieht. Kalkstein speichert Wärme und gibt sie nachts wieder ab, er lässt Wasser abfließen, statt es zu stauen, und zwingt die Wurzeln in die Tiefe. Dazu kommt die Nähe zur Adria: mediterrane Luft, sehr viele Sonnenstunden, dazu die Bura, die die Trauben trocken und gesund hält. Was daraus entsteht, sind Weine mit fester Säure, spürbarer Mineralität und viel reifer Frucht zugleich.
Vukoje bewirtschaftet rund 30 Hektar an zwei Standorten. Die Keller liegen acht Meter unter der Erde – im herzegowinischen Sommer die einfachste und älteste Form der Klimatisierung. Ausgebaut wird sowohl im Stahltank als auch klassisch im Barrique aus Eichenholz.
Die kaiserlichen Weinberge von Ušće
Etwa zehn Kilometer von Trebinje entfernt, am Zusammenfluss zweier Flüsse, liegt die Lage Ušće. Im späten 19. Jahrhundert erklärte die österreichisch-ungarische Monarchie diese Parzellen zum besten Standort des Reiches für die Žilavka und legte dort die sogenannten kaiserlichen Weinberge an. Später fielen sie brach. Vukoje hat sie wieder bepflanzt; 2007 wurde dort zum ersten Mal wieder geerntet.
Aus dieser Lage kommt das Carsko Vino, das „kaiserliche Wein“ heißt und zu 93 % aus Žilavka besteht, ergänzt um 7 % Bena. Ein Wein mit Geschichte im Glas, und einer der Gründe, warum man über Trebinje heute wieder in Weinkreisen spricht.
Žilavka: die weiße Sorte der Herzegowina
Die Žilavka ist die autochthone Weißweinsorte dieser Gegend und sonst kaum irgendwo zu Hause. Die Hercegovačka Žilavka zeigt, warum: Noten von Pfirsich und herzegowinischen Kräutern, klare Mineralität, frischer Ansatz und ein fruchtig-würziges Finale. Sie passt zu Fisch vom Grill, zu Meeresfrüchten, zu jungem Schafskäse – und sie verträgt Sommerhitze besser als die meisten anderen Weißweine.
Vranac und die roten Weine
Der Vranac kam erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts in die Gegend von Trebinje und fand hier nahezu ideale Bedingungen. Der Hercegovački Vranac ist dunkel, kräftig und eigenständig im Aroma – ein Wein für Lamm, für Schmorgerichte und für kalte Abende.
Daneben stehen zwei weitere Rote: die Velika Vukoje Selekcija Crvena, eine Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Vranac und Syrah, mit Heidelbeere, Brombeere, Gewürzkräutern und einem Hauch weißer Schokolade im geschlossenen Rubinrot. Und der Vukoje Syrah aus einer Handlese Mitte September, klassisch vinifiziert, würzig und dicht.
Servieren und kombinieren
Die Žilavka gibt man kühl ins Glas, aber nicht eisig – bei sechs Grad verliert sie genau die Kräuternoten, für die man sie trinkt. Acht bis zehn Grad sind richtig. Sie ist der naheliegende Begleiter zu allem, was aus dem Wasser kommt, und sie steht auch zu Pršut und Schafskäse gut da. Den Vranac dagegen sollte man bei etwa sechzehn bis achtzehn Grad servieren und ruhig eine halbe Stunde vorher öffnen. Er ist tanninbetont und braucht Fett und Würze auf dem Teller: Lamm unter der Glocke, Schmorfleisch, Gulasch, kräftigen Hartkäse.
Wer beides an einem Abend probieren will, beginnt mit der Žilavka und bleibt bei den Roten – die Reihenfolge andersherum ergibt keinen Sinn, weil die Frische des Weißweins nach dem Vranac untergeht.
Eine Kellerei, die man besuchen kann
Vukoje ist kein anonymer Betrieb. Zur Kellerei gehören seit den Anfängen ein Restaurant und ein Verkostungsraum, und Trebinje selbst – Platanenschatten, Altstadt, Markt – ist eine der angenehmsten Kleinstädte der Region. Wer einmal dort war, versteht die Weine danach anders.
Von Vukoje führen wir fünf Weine; alle finden Sie auf der Seite Vukoje. Für den Einstieg empfehlen wir die Hercegovačka Žilavka und den Hercegovački Vranac – weiß und rot, beide typisch für das, was der Karst hergibt.
Alkoholische Getränke geben wir nur an Personen ab 18 Jahren ab.





